Abschied von Dr. Josef Ratzenböck
Josef Ratzenböck steht 18 Jahre lang, von 1977 bis 1995, an der Spitze von Oberösterreich und prägt dieses Land, ja, schreibt seine Geschichte. Als 1989 der Eiserne Vorhang an der tschechischen Grenze fällt, ist er es, der am 11. Dezember den Stacheldrahtzaun in Wullowitz durchschneidet. Das ist, nach eigenem Bekunden, der wichtigste Moment in seiner politischen Laufbahn. Und er hat sich dieses Stück Draht mit nach Hause genommen und zur Erinnerung aufgehoben.
Seine Wurzeln liegen in Grieskirchen, in Neukirchen am Walde, wo er am 15. April 1929 in eine Gast- und Landwirtsfamilie hineingeboren wird. Und auch wenn er später in Wien Jura studiert, 1952 promoviert und als Politiker Karriere macht, ist ihm diese angeborene bodenständige und hemdsärmelige Art nie abhandengekommen. Er wäre eigentlich gerne Bauer geworden, soll er einmal erzählt haben. Es sind dies alles Charakterzüge, die beim Dr. Ratzenböck als „Landesvater“ bei jeder Begegnung zum Tragen gekommen und spürbar geworden sind.
Der Allgemeine Sportverband Oberösterreich, besser gesagt: die älteren Semester des Verbandes haben dieses sein besonderes Charisma in bester Erinnerung und schätzen und würdigen es bis heute. Denn die Anknüpfungspunkte und Verbindungen des begeisterten Skifahrers Josef Ratzenböck zum Sport sind Legende.
Ratzenböck war als „Brückenbauer“ und überzeugter Europäer zweifellos ein wichtiger Gestalter der Zweiten Republik. Und seine Heimat Oberösterreich habe er, so heißt es in einer Laudatio, „sowohl als Land der Arbeit, der Industrie und der Wirtschaft als auch als ein Land der Bildung, der Wissenschaft und vor allem der Kultur“ profiliert. Wir fügen hinzu: Er hat das Land auch zum Sportland gemacht. Dr. Josef Ratzenböck hat sich in die Chroniken des Sports eingeschrieben und mit Sicherheit auch in jene des Allgemeinen Sportverbandes Oberösterreich. Er möge in Frieden ruhen.
