Von der Genusstour zum Alptraum
Ort des Geschehens ist der Wanderweg am Ostufer des Hallstättersees von Obertraun in Richtung der auf 1.620 Metern Höhe gelegenen Sarsteinalm. In einer Wander-App, die die Hauptdarsteller benutzen, werden für die Tour, 23 Kilometer, 1.500 Höhenmeter und neun Stunden angegeben. Für die „Genusstour“, so die App, wird die Zeit zwischen März und Oktober empfohlen.
Die vier Wiener Studenten, alle um die 20 Jahre jung, werden diesen Mittwoch, den 17. Dezember 2025, wahrscheinlich nicht so schnell vergessen. Ebenso wenig wie die Bergrettung und die Alpinpolizei Bad Goisern. Es geht um die weitere Geschichte eines Rettungseinsatzes, von denen der Alpenverein im Jahresschnitt 5.000 in Österreich verzeichnet. Leichtsinn, Selbstüberschätzung und mangelhafte Ausrüstung spielen, wie so oft, die Hauptrolle – und nicht zuletzt der „Ratgeber“ und „Bergführer“ aus dem Internet. Trotzdem bleiben am Ende viele Fragen offen. Warum lässt man sich bereits Monate im Voraus, also im Sommer, von einer App eine Bergtour vorschlagen, die man dann Mitte Dezember in Angriff nimmt? Wie kann man diese Jahreszeit mit den kürzesten Tagen und unberechenbarem Wetter im alpinen Raum so unterschätzen?
Es kommt, wie’s kommen muss: Um 16:30 Uhr setzen sie wegen Erschöpfung eines Teilnehmers den Notruf ab. Die Rettungskette inklusive Notarzthubschrauber wird in Gang gesetzt. Die Rettung per Hubschrauber wollten sie zunächst vermeiden – aufgrund der zu erwartenden Kosten. Die Einsatzkräfte konnten sie schließlich zur Vernunft bringen und ins Tal, ins Klinikum nach Bad Ischl.
Eine Woche zuvor, zu Beginn der Skitourensaison, hatte der Alpenverein noch vor der Tourenplanung mit KI gewarnt: Die KI könne weder die Fähigkeiten und die Kondition der Sportlerinnen und Sportler noch die tatsächlichen Bedingungen vor Ort einschätzen.
Für einen circa 40-minütigen Hubschrauber-Rettungseinsatz werden im Schnitt 5.000 Euro fällig. Ein teures Abenteuer – nicht nur für leichtsinnige Studenten.
